Gebrüder Spiegel AG

Mit Unternehmergeist und Vision – Ein Gespräch mit Richard Weng

Frisch – wenn auch nicht mehr ganz so frisch wie das neue Jahr – ist der neue Inhaber der Gebrüder Spiegel AG, Richard Weng. Mit seiner Übernahme hat er eine neue Ära für das Traditionsunternehmen eingeläutet. Der Fokus ist dabei klar: Digitalisierung, Unternehmertum und Schweizer Qualität. Gleichzeitig verliert er weder die Bodenhaftung noch den Respekt vor der Geschichte des Hauses, sondern führt es mit Weitsicht in eine nachhaltige Zukunft. Im Gespräch verrät er, was ihn antreibt, welche persönlichen Durchbrüche ihn geprägt haben, und gibt Einblicke in die vergangenen eineinhalb Jahre bei der Spiegel AG.

Welche Motivation in dir hat dich dazu bewegt, Inhaber der Gebrüder Spiegel AG zu werden, und welche Vision verfolgst du für das Unternehmen?

Spiegel ist ein Traditionsunternehmen mit sehr gutem Ruf und starken Kundenbeziehungen in der Blechbearbeitungsbranche. Viele unserer Kunden arbeiten noch handwerklich, mit teilweise unproduktiven Prozessen. Ich sah grosses Potenzial, durch neue Maschinen und Dienstleistungen echten Mehrwert zu schaffen. Mit Digitalisierung und KI wollen wir einen technologischen Sprung ermöglichen – damit unsere Kunden effizienter, schneller und profitabler arbeiten können.

Was schätzt du am Schweizer Standort am meisten?

Am Schweizer Standort schätze ich besonders den Zugang zu exzellenten Talenten. Unsere Mitarbeitenden arbeiten verantwortungsbewusst, selbstorganisiert und auf Vertrauensbasis – ohne Babysitting und ohne unnötige Management-Ebenen.

Angesichts der hohen Lohnkosten im europäischen Vergleich ziehen hier alle am gleichen Strang: maximal produktiv, eigenverantwortlich und mit einem starken Fokus auf kontinuierliche Verbesserung.

Man spricht viel über typisch schweizerische Werte wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Präzision. Welche dieser Werte sind für dich persönlich besonders wichtig und wie spiegeln sie sich in deiner täglichen Arbeit wider?

Für mich steht Verlässlichkeit an erster Stelle. Ich delegiere Aufgaben mit klaren Erwartungen und verlasse mich darauf, dass sie exzellent und termingerecht erledigt werden. Wenn etwas dazwischenkommt, erwarte ich proaktive und rechtzeitige Kommunikation – genau das erwarten unsere Kunden auch von uns.
Haben wir einen Termin zugesagt, halten wir ihn. Notfalls mit Überzeit oder Wochenendeinsätzen. Unser Wort gilt.

Wenn du heute einen Blick auf dein bisheriges berufliches Erbe werfen könntest, welcher Meilenstein würde am hellsten leuchten? Und wo soll die Reise als Nächstes hingehen? 

Zwei zentrale Meilensteine waren die Neuorganisation unseres Service-Teams durch die Beteiligung an der Pegatec AG sowie die Entwicklung und Produktion unseres eigenen Spiegel-Lasers. Durch die Zusammenarbeit mit der Pegatec AG können wir unseren Kunden fünf zusätzliche Servicetechniker zur Verfügung stellen, die im Notfall innerhalb von 24 Stunden reagieren. Ergänzend dazu haben wir moderne Software-Tools eingeführt, um Effizienz und Fehlerprävention weiter zu verbessern.
Der neue Spiegel-Laser ist ein grosser Erfolg, denn er ermöglicht insbesondere Spenglern und Metallbauern eine erschwingliche und signifikante Produktivitätssteigerung.

Welche deiner  Leidenschaften, Technik, Unternehmertum oder Innovation, treibt dich am meisten an?

Am stärksten treibt mich das Unternehmertum an. Es geht darum, maximalen Kundennutzen zu schaffen und Mitarbeitende dort einzusetzen, wo ihre Stärken liegen – unabhängig von der Branche, ob Handel, Maschinenbau, Produktion oder Software Engineering. Technologie ist dabei der Katalysator: Wer sie richtig beherrscht, kann alte Prozesse aufbrechen, Wertschöpfung massiv beschleunigen und sich auch in neuen Märkten schnell exzellent positionieren.

Dein goldener Tipp als Geschäftsführer an deine Mitarbeiter?

Tu, was Eigentümer tun: Mitdenken, Verantwortung tragen, Menschen entwickeln – und den Weg geniessen. Schaffe Werte und erbringe exzellente Leistung, anstatt zu versuchen, dich selbst bestmöglich vor dem Chef darzustellen. Solche Mitarbeitenden sind die wertvollsten. Sie werden gesehen – und sie kommen an die Spitze. Nicht nur bei mir, sondern überall.

Erzähl mir über dein Werdegang & der entscheidende Wendepunkt darin. 

Vom Studieren zum Machen
Im Studium habe ich vor allem eines gelernt: selbst zu lernen. Fragen stellen, testen, schnell besser werden. Der Wendepunkt kam, als ich aufhörte, Wissen nur zu sammeln, und begann, es konsequent anzuwenden.

Vom Busy-Sein zum Kundennutzen
Als Unternehmer habe ich alles gestrichen, was keinen direkten Mehrwert für den Kunden bringt.
Der Wendepunkt: Prozesse radikal vereinfachen statt Arbeit anhäufen – Ziel ist Begeisterung, nicht nur Lieferung.

Vom Macher zum Ermöglicher
Delegieren zu lernen war entscheidend.
Es schafft Raum für neue Projekte und ermöglicht anderen, in neue Rollen hineinzuwachsen und Verantwortung zu übernehmen.

Wenn du für einen Tag die Rolle mit einem deiner Mitarbeitenden tauschen könntest, welche Position würdest du für 24h übernehmen und warum?

Ich würde keine feste Position wählen. Ich gehe für 24 Stunden dorthin, wo es hakt – egal ob in der Fertigung, im Service oder im Vertrieb. 

Mein Ziel ist es, Ursachen zu verstehen, sauber zu analysieren, Lösungen zu testen und diese anschliessend an die verantwortliche Person zu übergeben. Wirkung entsteht im Team – nicht durch Einzelkämpfer.

Welches Reiseziel hat das Unternehmen beruflich erreicht, nachdem du es übernommen hast? 

Etappe 1 – Interne Effizienz:
Prozesse gestrafft, alles eliminiert, was keinen direkten Kundennutzen stiftet. Moderne Software eingeführt, Routinen automatisiert, klare Standards geschaffen.

Etappe 2 – Team in Fahrt bringen:
Mitarbeitende entlang der neuen Abläufe geschult und Verantwortung konsequent dezentral verankert.

Etappe 3 – Service- & F&E-Ökosystem ausbauen:
Gezielte Beteiligungen und Übernahmen in Service und Entwicklung integriert (u. a. Pegatec AG und Zarex AG), um Kunden schneller, umfassender und nachhaltiger zu bedienen.

Hast du auch Privat ein Lieblingsreiseziel?

Nicht direkt – aber am liebsten bin ich dort, wo es warm ist und die Sonne scheint. Das kann im Sommer auch einfach Zuhause am oder auf dem Bodensee sein. Das Reisen ist für mich jedoch inspirierend – ich entdecke gerne andere Kulturen, studiere ihre Geschichte und lasse mich davon ermutigen. Gerne reise ich auch immer wieder mal nach Shanghai. Denn obwohl ich selbst seit meiner Kindheit mit meinen Eltern hier lebe, sind meine Grosseltern und Onkel und Tante noch dort.   

Noch eine persönliche Frage zum Schluss: Was ist dein Guilty Pleasure?

Ganz klassisch: Schweizer Schoggi – aber nur die Gute. Am liebsten Bruchschoggi von Läderach. ☺

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